
Es gibt eine Reihe von Tricks, die nicht nur eine nette Beschäftigung für den und mit dem Hund, sondern darüber hinaus auch noch unbeschreiblich nützlich sind. Setzen Sie Ihren Hund doch einmal als Haushaltshilfe ein und lassen Sie ihn seine Qualitäten als Service-Dog unter Beweis stellen! Er kann Ihr Telefon apportieren oder den Staubsauger einschalten, Ihnen die Socken ausziehen oder die Türen schließen. Das macht Ihrem Hund Spaß wie jeder andere Trick auch und kann Ihnen darüber hinaus wertvolle Dienste leisten, wenn Sie einmal gehandicapped sind. Dass wirklich jeder Hund Service-Qualitäten entwickeln kann, beweist in unserer Bilderserie Herdenschutzhund Emi. Die Pyrenäen-Berghund-Dame ist ihrem - aufgrund einer Behinderung mobilitätsbeschränkten - Frauchen Maureen van der Klaauw eine wertvolle Hilfe in ihrem Alltag und wird von ihr selbst mit Hilfe des Clickers trainiert.




Hier sehen Sie, wie Emi ihrem Frauchen Schuhe und Strümpfe auszieht und ihr anschließend die Pantoffeln bringt. Also, wer sagt da noch, der eigene Dackel sei dafür zu stur oder er selbst nicht in der Lage, ihm solche Dinge beizubringen? Probieren Sie's doch einfach mal aus!
TÜR ZU! LICHT AN!
Sie liegen mit Ihrem Idefix faul im Fernsehsessel. Ein Familienmitglied kommt rein, geht wieder raus – und lässt die Tür aufstehen. "Tür zu!" rufen Sie. Und was passiert? Idefix springt auf, rast zur Tür, schließt sie artig und flitzt wieder zurück zu Ihnen. Wie praktisch! Und ganz einfach zu trainieren: Wie immer führen viele Wege nach Rom:
Variante 1: Target-Stick
Für Hunde, die gelernt haben, die Spitze eines Stabes mit der Schnauze zu berühren: Der Target-Stick wird vor die Tür gehalten. Immer höher, so dass Idefix an die Tür springen muss, um mit seiner Schnute daran zu kommen. Den Target-Stick bauen Sie allmählich ab und setzen statt dessen die Hand ein, die Idefix durch Anspringen der Tür mit der Schnauze berühren soll. Daraus kann dann später ein Sichtzeichen werden. Die Hand entfernen Sie allmählich immer weiter von der Tür, bestärken aber nach wie vor das Anspringen der Tür. Und schon haben Sie’s. Frauke Harms und ihr persönlicher Idefix haben es auf diese Weise trainiert und uns auch diesen Trick geschickt.
Variante 2: Pfoten-Touch
Der direktere Weg für Hunde, die gelernt haben, ein Objekt (zum Beispiel eine Fliegenklatsche) mit der Pfote zu berühren. Die Fliegenklatsche wird an die Tür gehalten. Idefix haut mit der Pfote drauf: C&B. Die Fliegenklatsche wird nach und nach so gedreht, dass ihre flache Seite direkt an der Tür liegt und Idefix direkt gegen die Tür haut. Wie der Targetstick in Variante 1 wird auch die Fliegenklatsche allmählich abgebaut. Eine weitere Möglichkeit ist es, dem Hund zunächst beizubringen, einen (am Boden liegenden) Klebezettel mit der Pfote zu berühren. Dieser Klebezettel wird dann, wenn der Hund ganz sicher in seiner neuen Aufgabe ist, an die Tür geklebt. Mit der Schere verkleinern Sie den Zettel Schritt für Schritt, so dass der Hund am Ende nur noch die Tür berührt. Besser kann man die Hilfsmittel nicht wegschleichen.
Variante 3: Freies Shaping
Wenn Ihr Hund clickererfahren ist, wird er von sich aus schon Einiges an der Tür probieren, wenn Sie sich mit Ihrem Trainingszubehör dort aufbauen und auf die Tür schauen: Er wird die Tür anstupsen oder mit der Pfote berühren. Und schon haben Sie einen schönen Ansatz, den Sie shapen und zu einem Schließen der Tür ausbauen können. Später dann wie immer Hör- und Sichtzeichen einführen.
Hörzeichen ist praktisch!
Allein aus praktischen Gründen sollten Sie bei dieser Übung nicht die Einführung eines Hörzeichens vergessen! Schließlich wollen Sie doch nicht jedes Mal aus dem Fernsehsessel aufstehen, wenn Idefix mal wieder tätig werden soll, oder?
Was man damit alles machen
kann
Ein Hund, der das Drücken mit der Pfote gelernt hat, kann nicht nur Türen schließen, sondern auch Lichtschalter bedienen (kleine Hunde können zumindest Stehlampen ein- und ausschalten), Staubsauger einschalten oder sogar Ampeln drücken. Ob Sie das nur als nette Beschäftigungsmöglichkeit für Ihren Hund trainieren oder Ihr Hund Ihnen damit in Ihrem Alltag eine echte Hilfe sein kann, entscheiden Sie selbst. Den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt - und dem Hund macht das Training, geht man es richtig an, jede Menge Spaß. Dabei immer daran denken, dass jeder neue Gegenstand oder Schalter, den die Hundepfote drücken soll, für den Hund zunächst eine völlig neue Trainings-Situation mit sich bringt. Wie immer handhaben Sie es so, dass Sie im Zweifelsfall ein paar Schritte zurück gehen und die Übung ganz neu aufbauen. Ihr Hund wird schnell begreifen, was gespielt wird.
SOCKEN AUSZIEHEN
Das
Ausziehen von Socken ist eine nette und einfach zu erlernende Aufgabe, die nicht
nur Spaß macht, sondern für gehandicapte Menschen auch eine echte Hilfe sein
kann.
Die Zutaten
Was Sie
für diese Übung brauchen, ist denkbar wenig: Einen nackten Fuß und einen für
den Anfang ruhig etwas schlabbrigen und weiten Wollsocken, der gut rutscht.
Schritt
1: Socken in die Schnauze nehmen
Als
ersten Schritt gewöhnen Sie Ihren Hund daran, den Socken überhaupt in die
Schnauze zu nehmen. Dazu legen Sie den Socken am besten auf den Boden. C&B,
wenn sich Ihr Hund dem Socken nähert, ihn anstupst und schließlich in die
Schnauze nimmt. Allein dieser Vorgang lässt sich in viele Einzelschritte
zerlegen, die Sie so gestalten, dass Ihr Hund immer erfolgreich sein kann.

Schritt 2: Socken aus der Hand nehmen
Was auf
dem Boden begonnen wurde, wird jetzt in der Hand fortgesetzt. Dabei legen Sie
zunächst den Socken einfach nur in die ausgestreckt Hand. C & B für Ihren
Hund, wenn er den Socken anstupst, ihn schließlich in die Schnauze und dann von
der Hand nimmt. Auch hier bestärken Sie zunächst wieder die Teilschritte.
Schritt 3: Socken von den Fingern ziehen
Bisher
konnte unser angehender Service-Dog den Socken ohne Probleme
einfach
von der Hand nehmen. Jetzt wird es Zeit, dass ein wenig Widerstand ins Spiel
kommt, denn wenn es „Ernst“ wird und der Socken vom Fuß gezogen werden
muss, braucht Hund dafür Zugkraft. Also wird der Socken nun einfach locker über
die Finger gezogen, so dass es für unseren Socken-Aspiranten kein Problem ist,
ihn trotzdem zu nehmen. Allmählich steigern Sie die Anforderungen und schieben
den Socken immer ein Stückchen weiter auf Ihre Finger, so dass Hund sich daran
gewöhnt, etwas mehr Zugkraft einzusetzen, um den Socken zu nehmen. Vergessen
Sie nicht, reichlich zu clicken! Wer ein etwas ungestümes Exemplar der Gattung
Hund sein eigen nennt, kann seine Finger im Socken auch zunächst zur Faust
ballen. So merkt Hund am schnellsten, wenn er nicht nur den Socken erwischt, und
lernt, darauf zu achten, nur am leeren Teil des Strumpfes zu ziehen.
Schritt 4: Zeigt her eure Füße!
Nun
kommt endlich das Zielobjekt ins Spiel: Ihr Fuß, und zwar zunächst nur einer,
ist ja klar.
Am
einfachsten hat es Ihr Hund, wenn Sie Ihren Fuß unter dem schlabbrigen
Trainings-Socken hüllenlos präsentieren. So rutscht der Test-Socken am besten.
Sie machen nun am Fuß das gleiche Spielchen wie bei Ihrer Hand. Das heißt, zunächst
wird der Socken nur locker auf oder über den Fuß gelegt, so dass Ihr
Vierbeiner ihn problemlos nehmen kann. Dann geht’s los: Der Socken wird ein
winziges bisschen über Ihre Zehen gezogen, der Rest liegt auf dem Fuß oder
schlabbert runter. C&B für Ihren Hund, wenn er den Socken greift und ihn
dadurch (mehr oder minder automatisch) vom Fuße zieht. Wie immer erhöhen sich
die Anforderungen Stück für Stück. Der Socken wird zu einem größeren Teil
über die Zehen gezogen und dann schließlich immer weiter bis zur Ferse.
Vergessen Sie nicht, Ihren Hund häufig und für jedes Ziehen zu bestärken,
damit er sicher wird in seiner Übung und gerüstet ist für den nächsten
Schritt.
Schritt 5: Socken ausziehen komplett
Und
nun sind wir am schwierigsten Teil der Übung: Die Ferse kommt ins Spiel. Sobald
der Socken auch nur ein winziges Stückchen über die Ferse gezogen wird, muss
Ihr Hund gleich viel mehr Zugkraft aufwenden. Helfen Sie ihm, indem Sie Ihren Fuß
möglichst grade halten, also in „Beinlinie“ ausstrecken, damit das Ziehen
so einfach wie möglich wird. Außerden ziehen Sie den Socken natürlich nicht
gleich ganz nach oben, sondern steigern Stück für Stück Ihre Anforderungen.
Wenn Ihr Hund den Socken nicht in einem Zug auszieht, sondern nachfassen muss,
ist das völlig in Ordnung und sogar sockenschonender!
Wie immer gilt: Nehmen Sie sich Zeit!
Dass die ganze Prozedur nicht in einer Übungseinheit zur Perfektion betrieben werden kann, ist Ihnen ja klar. Sicherlich gibt es einige ganz eilige Vierbeiner, für die das kein Problem ist und die vielleicht auch schon Vorkenntnisse besitzen und es bereits zuvor gelernt haben, Gegenstände in die Schnauze zu nehmen und daran zu ziehen. Aber lassen Sie sich Zeit. Wie immer ist auch bei dieser Übung der Weg das Ziel, und es wird Ihnen sicher Spaß machen, gemeinsam mit Ihrem Hund zu trainieren. Übrigens: Ein Signal für diese Übung führen Sie wie immer erst dann ein, wenn Ihr Hund sie schon beherrscht. Obwohl der dem Hund entgegengestreckt Socken-Fuß schon ein gutes Sichtzeichen ist, macht es Sinn, auch ein Hörzeichen einzuführen, z.B. „Socken“.

Das ganze ist auch ausbaufähig!
Nicht dass Sie denken, Ihr Hund wäre nun sein ganzes Leben lang auf Socken fixiert. Weit davon entfernt: Ein Hund, der das Ziehen beherrscht, kann zum Beispiel im Winter Handschuhe von den Fingern ziehen, ganzjährig Schnürsenkel öffnen, dabei helfen, die Jacke auszuziehen oder auch einen kleinen Wagen hinter sich her ziehen und Ihnen darin Dinge bringen. Ihrer Kreativität sind diesbezüglich keine Grenzen gesetzt. Klar, dass Sie an jedem Gegenstand zunächst wieder in kleinen Schrittchen das Zieh-Training von Grund auf beginnen: denn auch, wenn Ihr Hund schnell begreifen wird, worum es geht, so sind doch alle Handschuhe, Jacken, Schnürsenkel etc. zunächst völlig neue Trainingssituationen für unsere Vierbeiner. Eine der originellsten "Zieh-Ideen" haben Elke Endraß und Gino umgesetzt: Ginos Hilfsbereitschaft macht auch vor dem stillen Örtchen nicht Halt. Auf das Signal "Zieh Klopapier" hin tritt Gino in Aktion - und schafft es sogar, exakt zwei Blatt abzureißen... :-)



Apportieren macht Spass...
... und
ist eigentlich überhaupt keine besondere Kunst! Dass das Apportieren für viele
Hundebesitzer und ihre Vierbeiner häufig eine echt "Angstübung" ist und oftmals
nicht gelingt, liegt nicht zuletzt daran, dass das Training leider häufig mit Zwang bzw. unangenehmen Einwirkungen auf den Hund verbunden ist. Das muss aber
nicht sein: Jeder Hund - und beileibe nicht nur Retriever und Co. - kann das
Aufnehmen, Tragen und Bringen von Gegenständen auf nette Art lernen und zu einem
begeisterten "Apporteur" werden. Dabei beschränkt sich das Apportieren nicht nur
auf das Werfen und Zurückbringen von Bällchen, Stöckchen und Co. Sie können
Ihren Hund auch gleichzeitig zu einem willigen Haushaltshelfer befördern - und
er wird es lieben :-) Um Ihnen ein wenig den Mund wässerig zu machen, zeigt
zunächst der kleine Italiener Gino, in welchen Bereichen apportierende vierbeinige Haussklaven
einsetzbar sind: Er bringt die Zeitung, trägt den Müllbeutel, hilft beim Waschen
und befördert die Hausputz-Utensilien. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch
eine für Hund und Mensch rundum erfreuliche Beschäftigungsmöglichkeit.




Na, Lust bekommen? Dann nur zu. Wir stellen im Folgenden kurz die von Deborah Jones in ihrem Buch "Clicker Fun" vorgeschlagenen Grundschritte für das Apportieren vor, mit deren Hilfe Sie diese Aufgabe mit etwas Üben bewältigen können.
Die Grundschritte
Apportieren
ist eine Verhaltenskette. Es besteht aus vielen kleinen Einzelbausteinen.
Und das ist auch schon das "Geheimnis" des Trainings. Jede komplexe
Übungseinheit wird handhabbar, wenn man die "große" Übung in viele kleine
Einzelbausteine herunter bricht und diese separat trainiert. Und das sind
die Bausteine für das Apportieren:
Das Objekt anschauen
Kopf in Richtung des Objektes drehen
In Richtung des Objektes gehen
Das Objekt (irgendwie) berühren
Das Objekt mit der Schnauze berühren
Die Schnauze öffnen und das Objekt berühren
Das Objekt mit den Zähnen berühren
Die Schnauze um das Objekt schließen
Das Objekt in der Schnauze behalten
Den Kopf zum Menschen drehen, während das Objekt in der Schnauze ist
Sich zum Menschen bewegen, während das Objekt gehalten wird
Das Objekt in die Hand legen
Gestartet
wird dabei mit dem Objekt in der Hand. Sie bestärken den Hund für jeden der
obigen Schritte. Click & Belohnung (C & B) also für den ersten Blick auf das
Objekt, für das erste Kopfdrehen zum Objekt, für die allererste Berührung usw.
Wenn Ihr Hund dann irgendwann alle Schritte durchlaufen hat, ist er so weit,
dass er das Objekt aus der Hand nimmt und dann wieder in die Hand legt. Erst,
wenn das klappt, wird die Distanz zwischen Objekt und Hand allmählich
vergrößert, das Objekt also aus der Hand auf den Boden gelegt. Dabei kann
zunächst die Hand noch unter bzw. dann neben dem Objekt auf dem Boden liegen
bleiben und wird erst allmählich Stück für Stück zurück gezogen. Erst, wenn
der Hund das Apportieren zuverlässig zeigt, wird ein Signal, zum Beispiel
"Hol" eingeführt.
Noch ein paar Trainings-Tipps
Natürlich können nicht alle Schritte in einer Übungseinheit durchgearbeitet werden. Lassen Sie sich Zeit. Jedes Teilverhalten muss erst zuverlässig gezeigt werden, bevor Sie die Anforderungen erhöhen und zum nächsten Schritt übergehen. Geht es mal nicht weiter, gehen Sie einfach einige Schritte zurück. Denken Sie daran, die Anforderungen so klein zu halten, dass Sie gerade bei den ersten Schritten möglichst häufig clicken können (versuchen Sie es mal, auf 10-15 Clicks pro Minute zu bringen!). Das hält Ihren Hund im Spiel, verschafft ihm viele Erfolge und hilft ihm dabei, die neue Übung schnell zu verstehen.
Gerade
beim Apportieren ist das Timing enorm wichtig. Beispiel: Der Hund berührt das
Objekt schon zuverlässig mit den Zähnen. Sie wollen nun die Anforderungen so
erhöhen, dass er das Objekt zwischen die Zähne nimmt. Sie warten also etwas
mit dem "Click" und schauen, was der Hund Ihnen anbietet. Jetzt kommt
es auf den Bruchteil einer Sekunde an: Clicken Sie zu früh, kommen Sie nicht
weiter. Sind Sie aber etwas zu spät, könnte es sein, dass Ihr Hund das Objekt
schon wieder losgelassen hat und Sie ihn ungewollt dafür bestärken, dass er
die Zähne vom Objekt entfernt.
Dass Hund das Objekt sofort los lässt, wenn Sie clicken, ist klar und auch erwünscht. Schließlich sagt ihm der Click: "Das hast du gut gemacht, das Verhalten ist beendet, du kannst dir dein Leckerchen abholen."
Nicht enttäuscht sein: Wenn der Hund ein Objekt (nämlich das, mit dem er immer geübt hat) holen kann, heißt das noch nicht automatisch, dass er das Apportieren schon generalisiert hat, also auch andere Gegenstände herbeibringen kann. Das muss er erst lernen - und wie immer gehen Sie dafür wieder einige Schritte im Übungsablauf zurück.
Und wer weiß: Mit ein bisschen Übung bringt Ihnen vielleicht auch Ihr Hund irgendwann den Eimer für die Gartenarbeit wie Gino, der spanische Wasserhund im Bild unten links, oder macht es der schönen Aphelia unten rechts nach und trägt Ihnen an einem kalten Herbstabend das Kaminholz zum Feuer...


Also: Viel Spaß beim Apportieren Lehren und Lernen!
©
Christina Sondermann 2000 - 2003
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de