Zugegeben: In einem Zirkus werden Sie die folgenden „Tricks“ eher nicht sehen. Aber weil es für manchen Vierbeiner eine größere Überwindung zu sein scheint, die kleinen notwendigen Prozeduren der regelmäßigen Körperpflege und Gesundheitsvorsorge über sich ergehen zu lassen als durch einen brennenden Reifen zu springen, haben wir uns dazu entschlossen, auch Krallen Schneiden, Zahnpflege und Co. mit in unsere Trickkiste zu packen.

Derartige Übungen sind ein gutes Beispiel dafür, dass Clicker-Training weit mehr ist als das Training „netter Belanglosigkeiten“ – und sie zeigen die Effektivität des Trainings auf Basis positiver Bestärkung! Hier geht es schließlich nicht um das Einstudieren von Dingen, denen der Hund zunächst einmal wertneutral gegenüber steht und die Ihnen richtig Spaß machen. Hier geht es vielmehr um Prozeduren, die vielen Hunden bereits unangenehm sind und vor denen sie sich ängstigen – und auf die wir Menschen uns entsprechend auch nicht gerade freuen. Schritt für Schritt ist es durch das punktgenaue Bestärken des erwünschten Verhaltens möglich, diese Übungen nicht nur zu meistern, sondern auch noch zu einer angenehmen, freiwillig angebotenen Sache zu machen. Das erspart den beteiligten Zwei- und Vierbeinern nicht nur viel Stress und erleichtert das Leben, sondern zeigt auch ganz klar die Potenziale des Trainings auf Basis positiver Bestärkung.

Wenn Sie nicht glauben, dass Ihr Fido, dessen empfindliche, aber schnellwüchsige Krallen Sie bislang nur mit tierärztlicher Unterstützung und unter großen Protesten bearbeiten konnten, Ihnen nach ein paar Clickersitzungen die Pfote freiwillig zur Pediküre reicht und Ihnen dann auch noch seine Zähne zeigt, damit Sie sie putzen können, dann sind Sie hier richtig.

Als Testobjekt dient Spass-mit-Hund-Beagle Asta. Wir erwähnen das deshalb, weil Asta als ehemaliger Laborbeagle eine regelrechte Phobie gegen jegliche im weitesten Sinne medizinische Instrumente besaß, ihr allein der Anblick einer Krallenschere ein Gräuel war und das Entdecken eines Fierberthermometers in der Hand unsere netten Tierärztin auch schon zu extremen Panikattacken auf dem Behandlungstisch führte.

 

Ein Tipp VORAB für alle Übungen

Noch ein Tipp, bevor Sie sich auf Krallenscheren, Zahnbürsten und Fieberthermometer stürzen. Bevor Sie mit dieser Art von Training beginnen, fahren Sie Ihre Anforderungen zunächst auf Null herrunter. Fangen Sie nicht in einer Situation an, in der Ihr Hund schon unter Stress steht: wenn er beispielsweise gerade schon vor Ihnen und der Krallenschere geflohen ist oder gar bereits auf dem Tierarzttisch steht. Sie wollen ja nicht unabsichtlich seine Angst clickern – und unter Stress ist ja ohnehin kein Lernen möglich. Schaffen Sie eine entspannte und fröhliche Atmosphäre. Bauen Sie das Gesundheitsprogramm in das normale Training ein und halbieren Sie die Schritte, die Sie sich zum Erreichen der von Ihnen anvisierten Prozedur vorgenommen haben, noch einmal.

 

DAS Krallenschneiden

Und so funktioniert's beim Krallen Schneiden:

  So war's beim Test-Beagle

Krallenschneiden geht nur mit fachkundiger Unterstützung und ruft allergrößtes Unbehagen und schrille Entsetzensschreie hervor. Besonders an die überaus empfindlichen Daumenkrallen traut sich Christina gar nicht ran. Zu allem Übel wachsen Astas Krallen sehr schnell (sie ist viel auf Waldboden und unbefestigten Wegen unterwegs), das Schneiden ist nicht vermeidbar.

Drei Trainingseinheiten später: Der Anblick der Krallenschere lässt Astas Augen leuchten – hier gibt’s was zu verdienen. Asta legt ihre Pfoten freiwillig in die Hand, hält still und lässt sich Stück für Stück ihre Nägel kürzen. Auch wenn es ihr ab und an noch etwas unheimlich zu sein scheint, ist sie mit Begeisterung dabei.

Und wie sieht der Weg aus, der zum Ziel führt?

  Die Vorbereitungen

Praktisch ist es, wenn Sie bereits einen „Zungenclick“ konditioniert haben. Mit Krallenschere und Hundepfote sind Sie genug gefordert und werden Ihre Schwierigkeiten haben, auch noch den Clicker zu bedienen.

Außerdem ist es sehr praktisch, wenn Ihr Hund bereits das Pfötchen Geben beherrscht. Und sollte das nicht der Fall sein, ist es Ihnen mit dem Clicker sicher ein Leichtes, ihm das schnell bei zu bringen (schauen Sie einfach nach unter Freestyle-Tricks und mehr).

Und so sehen die Schritte für diese Übung aus:

  Die Krallenschere wird interessant:

Hund wird für das Beschnüffeln und Anstupsen der Krallenschere fürstlich bestärkt, anfangs sogar für jede kleine Annäherung und jeden Blick in Richtung Schere. Ist diese Hürde gemeistert, gibt’s C & B dafür, dass er sich mit der Krallenschere am Körper und dann an der Pfote (die dafür noch Bodenhaftung haben darf) berühren lässt.

  Die Pfote ruhig halten:

Hunde, die das Pfötchen Geben gelernt haben, reichen zwar mit Begeisterung die Hand, ziehen sie häufig aber mit ebensolcher Begeisterung schnell wieder zurück. Deshalb ist es ganz praktisch, das ruhige Halten der Pfote in der Hand zu bestärken. Nehmen wir an, Sie wissen, dass Ihr Hund beim Pfötchen Geben seine Pfote für zwei Sekunden in Ihrer Hand liegen lässt, dann clicken Sie auch hier zunächst in diesen Zeitraum. Ganz allmählich und Sekunde für Sekunde steigern Sie dann die Dauer bis zum Click, der Ihrem Hund ja signalisiert, dass er die Pfote nun zurück ziehen darf und seine Belohnung bekommt. Sie können dann ruhig auch anfangen, die in Ihrer Hand liegende Pfote zu berühren oder mit Ihrer freien Hand darüber zu streichen, damit Ihr Hund sich daran gewöhnt, dass Sie an seinen Pfoten „herummanipulieren“. Außerdem sollten Sie Ihren Hund damit vertraut machen, dass Sie seine Pfote locker festhalten (also Ihre Hand, in der die Pfote liegt, leicht um die Pfote schließen), als Absicherung, dass er sie später nicht doch plötzlich zurück zieht und sich wehtut, während Sie gerade an seiner Kralle schneiden.

  Krallenschere und Pfote zusammen bringen:

Ihr Hund hat die Krallenschere schätzen gelernt und hat gelernt, die Pfote so lange in Ihrer Hand liegen zu lassen, bis dass der erlösende Zungenclick kommt. In der einen Hand liegt die Pfote. Mit der anderen Hand greifen Sie nach der Krallenschere. C & B bereits dafür, dass Ihr Hund seine Pfote in dieser Situation nicht zurück zieht. Sie steigern wieder Schritt für Schritt die Anforderungen, biss dass die Krallenschere schließlich Pfotenberührung hat und Ihr Hund schließlich ruhig seine Pfote für eine Weile in Ihrer Hand liegen lässt, während Sie die Krallenschere daran halten oder mit der Schere über seine Pfote zu streichen. Mehr müssen Sie in dieser Phase noch nicht machen.

  Die Krallenschere öffnet sich

Nun kommt allmählich Bewegung in die Krallenschere. In Krallennähe (die Pfote liegt natürlich in Ihrer Hand) öffnen und schließen Sie die Schere. C & B, wenn Ihr Hund still hält. In einem nächsten Schritt legen Sie die geöffnete Schere um die Kralle. C & B. Steigern Sie allmählich die Dauer bis zum nächsten Click und legen Sie die Schere vor dem Click auch mal um eine zweite oder eine dritte Kralle. Dabei wird noch kein Stück der Kralle abgeknippst!

  Es darf geschnitten werden

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Aber stopp: Geschnitten wird noch nicht gleich in ganzer Länge. Wir fangen an, zum Training ganz winzige, milimeterkleine Stückchen abzuschneiden – eher ein Raspeln als ein Knipsen. Dabei unbedingt darauf achten, dass der Click nicht genau gleichzeitig mit dem Abknipsen der Kralle erfolgt, sondern wirklich erst, wenn die Schere wieder geöffnet ist! Weil der Click die Übung beendet, besteht sonst die Gefahr, dass der Hund seine Pfote schnell zurück zieht und in der Schere hängen bleibt. Und: Denken Sie daran, nicht zu viel der Kralle abschneiden, wenn Ihre abgeknipsten Krallenstücke allmählich größer werden. Achten Sie darauf, niemals die Blutgefäße zu verletzten, die gerade bei hellen Krallen von außen gut sichtbar sind, bei schwarzen Krallen jedoch häufig kaum erkennbar sind. Im Zweifelsfall fragen Sie lieber Ihren Tierarzt, wie weit Sie gehen dürfen.

Und nun viel Spaß mit Ihrem neuen „Trick“, der nicht nur Ihnen und Ihrem Hund das Leben erleichtert, sondern auch bei Zweiflern an der Methode „Clickertraining“ eine Menge Eindruck schinden kann.

 

DAS WAR's NOCH LANGE NICHT!

Test-Beagle Asta testet noch: Zähneputzen und Zahnstein Entfernen, zum Beispiel, außerdem werden wir in Kürze Astas Schreckgespenst das Fieberthermometer uns seinen Einsatz mit Hilfe des Clickers hier vorstellen.

Sie haben auch schon die ein oder andere ehemalige Strapaze der Körperpflege und Gesundheitsvorsorge mit Hilfe des Clickers in den Griff bekommen? Dann berichten Sie uns davon - wir freuen uns!

 

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© Christina Sondermann 2000 - 2001
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de