
Wir Zweibeiner haben schon längst erkannt wie positiv sich Massage, Gymnastik und Co. auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden auswirken. Dass das für unsere Hunde genau so gilt, ist uns häufig gar nicht bewusst. Entsprechend sind für viele Hundebesitzer die Möglichkeiten der Tier-Physiotherapie absolutes Neuland. Dabei ist es mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Leistungsfähigkeit zu verbessern, die Muskulatur zu kräftigen, ein verbessertes Gangbild zu erreichen, Verspannungen zu lösen und ggf. Schmerzen zu lindern.
Dies
gilt nicht nur im Falle konkreter Erkrankungen oder (z.B. altersbedingter)
Beschwerden am Bewegungsapparat: Auch, wer prophylaktisch aktiv werden will oder
seinem Hund einfach mal etwas Gutes tun möchte, sollte sich mit den
Möglichkeiten der Hunde-Physiotherapie vertraut machen. Es gibt eine Reihe von
Massagetechniken und gymnastische Übungen, die man problemlos auch als Laie am
eigenen Hund umsetzen kann.
Wir sind selbst zu wenig Fachleute und zu sehr Neulinge auf diesem Gebiet, um Ihnen an dieser Stelle umfassende Anleitungen bereit stellen zu können. Aber - es gibt andere, die das gut können: Und deshalb stellen wir Ihnen an dieser Stelle neben einigen eher allgemeinen Tipps vor allen Dingen Bücher und DVDs vor, die uns sehr gut gefallen - und die wir als besonders gut umsetzbar empfinden.
Klar ist natürlich: Im Falle akuter Beschwerden ersetzen all diese Anleitungen nicht den Besuch beim Tierarzt oder Tierphysiotherapeuten! Sprechen Sie es im Zweifelsfall mit dem Arzt oder Physiotherapeuten Ihres Vertrauens ab, was Ihrem Hund besonders gut tut und worauf Sie achten sollten. Übrigens: Ein Verzeichnis von Tierphysiotherapeuten in den unterschiedlichen Postleitzahlenbereichen finden Sie beispielsweise unter www.tierphysiotherapie.de, der Webseite des "Verein für Tierphysiotherapie e.V.".
MASSAGE UND CO. - EINFACH ZUM WOHLFÜHLEN
Die "klassische" Massagetechnik
Massage: Die positiven Effekte der manuellen Einwirkung auf Haut, Gewebe und Muskulatur sind vielfältig. Verspannungen und Verklebungen lockern sich, die Durchblutung wird gesteigert, der Zellstoffwechsel angeregt, das Körpergefühl verbessert sich. Und noch viel mehr: Wenn Sie Ihren Hund massieren, dann ist das nicht nur Körper-, sondern auch Beziehungsarbeit! Sie schenken Ihrem Hund eine Zeit der aktiven Zuwendung, nur für ihn - und das ist für ihn viel schöner als so mancher beiläufiger Streichler in der Alltagshektik. Nehmen Sie sich regelmäßig die Zeit für eine Massageeinheit. Ihr Hund wird es genießen, Sie beide können dabei wunderbar relaxen - und Ihre Bindung wird sich intensivieren.

Unser
Tipp: Das Buch
"Hundemassage" von Katrin Blümchen (Blümchen-Verlag, 14,80 €,
der vorstehende Link führt zu amazon.de)
liefert einen schönen Einstieg ins Thema. Komprimiert, wohldosiert
und auch für den Einsteiger gut verständlich werden auf gut 70 Seiten die
nötigsten
Hintergrundinformationen vermittelt und, ergänzt um anschauliche Bilder und
Grafiken, die wichtigsten Massagegriffe erklärt. Wer anschließend einen Blick
auf die praktische Umsetzung der Massagetechniken werfen möchte, ist mit dem
gleichnamigen Lehrvideo (bzw. der DVD) "Hundemassage" von Katrin Blümchen sowie
Sabine und Jochen Woßlick gut beraten: In aller Ausführlichkeit (und unterlegt
mit Entspannungsmusik, was das Zuschauen selbst sehr angenehm macht) werden
darin die auch im Buch vorgestellten wesentlichen Massagegriffe gezeigt. Buch
und DVD sind
beispielsweise auf der
Webseite von Katrin Blümchen erhältlich, mit einem Preis von zusammen rund
30,- Euro durchaus finanzierbar und, wie wir finden, eine gute Investition in
das Wohlergehen Ihrer Vierbeine und in Ihre Beziehung.



Tellington Touch - tut gut!
Der Tellington-Touch ist
eine leicht zu erlernende und sanfte Körperbehandlung - übrigens nicht nur für
Hunde. Durch angenehme
kreisende, hebende oder streichende Körperberührungen, die sogenannten TTouches, sollen
Funktionen und Lebenskraft der Körperzellen aktiviert und unbenutzte
Nervenbahnen stimuliert werden. Ziel der Körperarbeit nach Linda
Tellington-Jones ist es, das körperliche, geistige und emotionale Gleichgewicht
des Hundes zu unterstützen. TTouches wirken entspannend, verbessern das
Körperbewusstsein, können dabei helfen, Stress abzubauen und tragen genau so wie
die "klassische" Massage dazu bei, die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem
Vierbeiner zu stärken. Das Büchlein
TTouch für
Hunde (Kosmos-Verlag, 5,95 €) aus der Kosmos-Reihe "für unterwegs" ist
"für unterwegs" natürlich viel zu schade, sondern ideal geeignet für das
heimische Wohnzimmer. Die unterschiedlichen TTouches werden darin beschrieben,
ergänzt um viele Bilder und anschauliche Grafiken. Wer mehr Informationen über
das Tellington-Training haben möchte, wird fündig unter
www.tteam.de.
Zoom Groom - viel mehr als bloß Bürsten!
Sie haben beim Bürsten Ihres Hundes bislang vor allem die Fellpflege im Auge gehabt - und es war für Sie beide eher eine lästige Pflicht als ein Genuss? Dann probieren Sie doch mal "Zoom Groom" aus: Die Massagebürste der Kong-Company (vor allen Dingen bekannt durch ihre tollen Kauspielzeuge, Anregungen dazu gibt's z.B. in unserem "Spielefieber", Menüpunkt "Schlemmer- und Nagetage") ist aus weichem, flexiblen Material. Ihre Noppen bürsten und kämmen nicht nur, sondern haben einen für die Hunde äußerst angenehmen Massageeffekt. Ideal für eine ganz besondere Streicheleinheit. Unser Tipp: Für kleine Hunde eignet sich das besonders kleine und weiche Katzenmodell der Zoom Groom-Bürste besonders gut.



Was auch immer Sie tun - achten Sie auf Ihren Hund!
Massage und Co. können ihre positiven Wirkungen nur entfalten, wenn Ihr Hund sie wirklich genießt und entspannt dabei ist. Darauf sollten Sie unserer Erfahrung nach ganz besonders achten:
Denken Sie an sich selbst: Mit Sicherheit sind auch Sie nicht zu jeder Zeit des Tages in Stimmung für eine Massage. So geht es auch Ihrem Hund. Der beste Zeitpunkt für ein wenig Körperarbeit ist, wenn Ihr Hund ohnehin gerade völlig entspannt und vielleicht sogar ein wenig schläfrig ist. Und auch Sie sollten in der richtigen Stimmung sein - ruhig, gut gelaunt und frei von Stress.
Am
meisten kann Ihr Hund die Massage genießen, wenn er "leer" ist: wenn die
letzte Mahlzeit schon ein wenig zurückliegt und er vorher Gelegenheit hatte,
seine Geschäfte zu verrichten.
Machen Sie es sich gemütlich, verbannen Sie das Telefon, schalten Sie den Fernseher aus, sorgen Sie für eine angenehme Raumtemperatur. Und wenn Sie und Ihr Hund das mögen, passt auch ein wenig Entspannungsmusik gut ins Programm - es gibt mittlerweile sogar spezielle Musik für Tiere.
Vielleicht liegt Ihr Hund ohnehin gerade faul auf dem Sofa oder hat sich auf einem anderen gemütlichen Plätzchen ausgestreckt? Vorausgesetzt, er freut sich dort über Ihre Nähe, machen Sie es sich doch gleich neben ihm bequem. Vielleicht besorgen Sie sich aber auch eine extra Decke oder Matte und etablieren einen kleinen "Massageplatz".
In vielen Ratgebern rund um Massage und Co. wird davon ausgegangen, dass der Hund dabei auf der Seite liegt. Wenn Ihr Hund das aber zunächst nicht möchte, können Sie ihn in aller Regel auch in anderen Positionen behandeln. Sie werden sehen: Wenn Sie Ihre Sache gut machen, wird Ihr Hund sich ohnehin bald von selbst wohlig ausstrecken.
Lernen Sie, Ihren Hund zu lesen. Wenn Sie die Hundesprache beherrschen, werden Sie feststellen, dass Ihr Hund Ihnen ständig mitteilt, wie er sich fühlt. Ganz besonders kann Ihnen das Wissen über die sogenannten Beschwichtigungssignale (Calming Signals) helfen (mehr Infos hierzu in unserem Menüpunkt "Mehr Wissen" / "Beschwichtigungssignale"). Wenn Ihr Hund Ihnen signalisiert, dass er sich nicht wohlfühlt, reagieren Sie darauf: Verringern Sie beispielsweise den Druck Ihrer Massage oder behandeln Sie zunächst ein Körperteil, das er lieber mag.
Ganz wichtig: Zwingen Sie Ihren Hund zu nichts. Wenn er gehen will, lassen Sie ihn ziehen - und überlegen Sie sich, wie Sie es ihm beim nächsten Mal noch angenehmer machen können. Im Idealfall beenden Sie die Massage-Einheit grundsätzlich, solange der Hund sie noch genießt (selbst wenn es zu Beginn nach wenigen Minuten ist) - das macht Lust auf mehr!
Beginnen Sie mit den Körperteilen, deren Berührung Ihr Hund ohnehin gerne mag. Wenn Sie feststellen, dass ein Körperteil besonders empfindlich ist, sparen Sie es zunächst besser aus - und fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Tierphysiothereuten oder Tierarzt.
Wie schon gesagt: Als Einsteiger in die Materie können wir Ihnen nur ein paar ganz allgemeine Ratschläge geben. Weiterführende Tipps zur Anwendung der einzelnen Techniken entnehmen Sie den einzelnen Ratgebern. Und wie immer gilt: Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihren Tierphysiotherapeuten oder Tierarzt.
Gymnastik - längst nicht nur für Kranke!
Wer
rastet, der rostet. Uns Zweibeinern ist das schon lange klar - und die meisten
von uns halten sich auf irgendeine Art und Weise fit: prophylaktisch zum einen,
und erst recht natürlich im Falle akuter Beschwerden. Auch für unsere Hunde
können gymnastische Übungen ein Beitrag zu mehr Lebensqualität sein:
Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen und Verspannungen sind unter
Hunden mindestens genau so verbreitete "Volkskrankheiten" wie bei uns Menschen,
viele Hunde leiden darüber hinaus an spezifischen Erkrankungen des
Bewegungsapparates ("HD" sei hier nur ein Schlagwort) - und generell ist
ein gymnastizierter Hund natürlich einfach fitter und beweglicher, gerade auch
in den fortgeschrittenen Jahren.
Allerhöchste Zeit, dass wir Zweibeiner uns verstärkt mit den Möglichkeiten der (Kranken-)Gymnastik für unsere Hunde auseinandersetzen.
Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einen ganz besonders praxisorientierten Ratgeber vorstellen, der garantiert auch Ihnen eine Menge Anregungen mit auf den Weg gibt: Hunde-Physiotherapie. Fit und gesund durch Krankengymnastik von Beate Warnat und Dorothee Kühnau (Dorothee Kühnau ist übrigens auch Autorin des bei uns vorgestellten "Jog your Dog"-Laufprogramms" für Hund und Mensch) aus dem Cadmos-Verlag zählt mit einem Preis von 26,90 € für gut 110 Seiten nicht unbedingt zu den preiswerten Hundebüchern - allerdings lohnt sich die Anschaffung. Das Buch wendet sich insbesondere an Hundebesitzer, deren Hunde schon funktionelle Probleme haben, ebenso wie an diejenigen, die eine anatomische Schwachstelle des Hundes kennen und prophylaktisch tätig sein wollen. Das besondere daran: "Hunde-Physiotherapie" ist extrem anwendungsorientiert und voll mit konkreten Anleitungen für gymnastische Übungen. Hintergrund- und Fachwissen werden ausschließlich in komprimierter Form vermittelt. Dabei beschränkt sich das Buch auf Techniken der Krankengymnastik, die man auch als Laie mit etwas Umsicht und gesundem Menschenverstand umsetzen kann, ohne dem Hund zu schaden. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der Bewegungstherapie und auf konkreten Behandlungs- und Trainingsplänen für häufige Krankheiten von Vorderhand, Hinterhand und Rücken. Auch, wenn Ihr Hund bislang fit und vergnügt ist, werden Sie bei der Lektüre garantiert ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie Sie ihm mit etwas Gymnastik Gutes tun und Beschwerden des Bewegungsapparates vorbeugen können.


Übrigens
können Sie mit der Hunde-Krankengymnastik gleich zwei (oder mehr) Fliegen mit
einer Klappe schlagen: Ganz abgesehen von den positiven gesundheitlichen
Effekten machen viele Übungen Hund und Mensch auch schlichtweg Spaß, sind
gleichzeitig eine schöne Beschäftigung, als kleine Mutproben gut für das
Selbstbewusstsein und als gemeinsame Aktivitäten gut für die Bindung zwischen
Hund und Mensch. Also: Viel Freude mit Wackelbrettern, Cavaletti-Training,
Slalom-Laufen, Klettern und Co.
©
Christina Sondermann 2006
Kontakt: christina@spass-mit-hund.de